Moderne Friedhofsarchitektur in Italien: Vom Marmorgrab zum Betonkubus
Das Bild italienischer Begräbnisstätten verändert sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts grundlegend – es entsteht eine moderne Friedhofsarchitektur. Wo jahrzehntelang Familiengruften, Marmorengel und verschnörkelte Inschriften das Erscheinungsbild bestimmten, treten zunehmend Anlagen mit klaren Linien, reduzierten Formen und durchdachter Raumplanung an deren Stelle. Italien, das Land der monumentalen Camposanti („heiliges Feld“), ist dabei zum Schauplatz einiger der bemerkenswertesten Projekte moderner Gedenkort-Gestaltung geworden.
Als eines der einflussreichsten Werke gilt der Cimitero San Cataldo bei Modena, den der Mailänder Architekt Aldo Rossi ab 1971 entwarf. Im Zentrum der Anlage steht ein kubisches Ossarium – ein kompakter, weißer Baukörper, der die traditionelle Grabhausfassade in eine abstrakte, beinahe surreal wirkende Geometrie überführt. Rossi verzichtete bewusst auf figürlichen Schmuck; stattdessen tragen die strenge Achsenführung und die wiederkehrenden Blöcke die gesamte Erinnerungsleistung des Ortes. Nicht die Figur, sondern die Architektur selbst wird zum Medium des Gedenkens. Das Projekt blieb unvollendet, wurde aber wegen seines radikal neuen Ansatzes vielfach besprochen und gilt heute als Schlüsselwerk der postmodernen Architektur.


Screenshot: HAZ.de







