Die Sieben Trappen von Benthe – Frühmittelalterliche Grabdenkmale mit moderner Anmutung
Am Rande des kleinen Ortes Benthe in Niedersachsen befinden sich die sogenannten Sieben Trappen, eine Gruppe von sieben steinernen Grabmale, die vermutlich aus dem Frühmittelalter stammen. Die genaue Herkunft und Bedeutung dieser Stelen ist zwar nicht eindeutig geklärt, doch archäologische Untersuchungen und regionale Überlieferungen deuten darauf hin, dass es sich um frühchristliche Grab- oder Gedenksteine handelt.
Auffällig ist ihre Form: Schlichte, aufrecht stehende Steinplatten mit teilweise abgestuften Oberseiten – daher der Name „Trappen“ (plattdeutsch für Stufen). Diese Form erinnert stark an moderne Grabsteine, insbesondere an solche, die bewusst minimalistisch gestaltet sind. Die klare Linienführung, die reduzierte Symbolik und die vertikale Aufstellung finden sich auch auf heutigen Friedhöfen wieder. Diese Ähnlichkeit zeigt, wie zeitlos bestimmte Ausdrucksformen von Gedenken sein können.
Christliche Symbolik in den Trappen
Die Sieben Trappen lassen sich auch in einen christlich-symbolischen Zusammenhang stellen. In der christlichen Zahlensymbolik steht die Sieben für Vollkommenheit, geistige Ordnung und die Verbindung von Irdischem (vier Elemente oder Himmelsrichtungen) und Göttlichem (Dreifaltigkeit). Diese Verbindung findet sich auch in der Liturgie – etwa in den sieben Sakramenten oder den sieben Gaben des Heiligen Geistes.
Wenn man diese Zahl mit der Form der Steine kombiniert, entsteht ein Bild tiefer religiöser Bedeutung: Die Trappen könnten als Stufen zur Ewigkeit, zum Himmel oder zur Auferstehung verstanden werden. Sie markieren den Übergang vom Leben zum Tod – und weisen zugleich auf die Hoffnung des christlichen Glaubens hin, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern ein neuer Anfang.
Die Sieben Trappen von Benthe sind ein faszinierendes Zeugnis früher christlicher Bestattungskultur – schlicht in ihrer Form, aber tief in ihrer Symbolik. Ihre Ähnlichkeit mit heutigen Grabsteinen zeigt, dass sich Formen des Gedenkens und der Hoffnung über Jahrhunderte hinweg kaum verändert haben. In der Stille ihrer Präsenz erzählen sie von Vergänglichkeit, Glauben und der Sehnsucht nach einem Leben über den Tod hinaus.
Foto: Wikipedia
Text: Tom Heider
