Was tun wenn jemand Nahestehender Suizid begeht?

Der Tod einer geliebten Person kann traumatisierend sein, wenn diese Person dann auch noch Suizid begangen hat ist die Intensität der Trauer fast unbegreiflich groß. Man kann einfach nicht verstehen warum der andere sich umbringen konnte – man sucht nach Antworten, die aber nicht mehr beantwortet werden können. Die einzige Person die Antworten geben könnte, hat den Weg des Selbstmordes gewählt.

Die psychologische Meinung in diesen Fällen ist zumeist, dass die geliebte Person das getan hat weil sie einen Ausweg aus dem Schmerz und der Hilflosigkeit gesucht hat und dass es die letzte Lösung gewesen ist, um aus ihrem Dilemma, ihrem Problem zu kommen. Ein brutale, letzte Lösung, die man als Außenstehender nicht wirklich nachvollziehen kann.

Dem anderen war es vermutlich unangenehm über seine Gefühle zu sprechen, hat sich geschämt und das trotz vielleicht vieler Freunde und Familie. John Hewett, Autor des Buches „After Suicide“, hat dazu geschrieben, dass sich die meisten Personen nicht entscheiden zu sterben, sondern nur einen Ausweg aus ihrer Qual und dem Schmerz suchen. Und: Diejenigen, die diesen Plan einmal gefasst haben, die kann man oft auch nicht mehr aufhalten.

Wie fühlt sich also Trauer an?

Die Trauer ist eine physisch, soziale, psychologische und spirituelle Reaktion auf einen Verlust. Taubheitsgefühle und unbeantwortete Fragen verstärken Angst und Verwirrtheit. Der Schock der einen normalerweise schützen würde, wird zu Frustration Angst, und Wut.

Die Trauer kommt immer in „Wellen“. So kann man sich zum Beispiel so fühlen als ob man von innen erfroren wäre und dazu noch erschöpft, kraftlos. Man ist nicht mehr in der Lage sich an Sachen zu erinnern oder zu konzentrieren. Man fühlt vielleicht eine starke Wut auf Gott, andere Familienmitglieder, sich selbst oder die Person die gestorben ist. Wut und Schuldgefühle sind dabei auch ganz normale Emotionen, vor denen man keine Angst haben muss.

Bestattung in Hannover - wie mit Selbstmord umgehen?
Es kommt einem alles irgendwie unwirklich vor – wie in einem Traum. Die „Wenns und Abers“ quälen und das Gefühl zu realisieren, dass man einfach nichts hätte machen können, ist sehr sehr schmerzhaft.

Auch Depressionen oder das Gefühl der Leere können einen zeitweise überkommen, verbunden mit Kopfschmerzen, Krämpfen oder Hals- oder Brustschmerzen. Dazu kommen auch Muskelschmerzen oder Magenprobleme, Schlafprobleme, das Gefühl keinen Hunger haben oder unvermitteltes Weinen sind alle ein Teil des Verlustes, denn Verlust schmerzt!

Wut und Zorn kann sich zur Rage entwickeln und man findet alles unfair, die unbeantworteten Fragen scheinen immer mehr zu werden. Und schlussendlich, ist man wahrscheinlich sogar böse auf die verlorene Person – einfach weil sie sich einem nicht anvertraut hat. Alles, ohne dass man helfen oder nur zuhören zu können oder einfach nur „Auf Wiedersehen“ zu sagen, letzte Worte zu finden oder ähnliches – man fühlt sich betrogen, bevormundet und hilflos.

Was entsteht aus den Gefühlen?

Schuld und Zweifel werden ständige Begleiter. Man kann sich einfach nicht damit abfinden, dass dem geliebten Menschen nicht helfen konnte, oder einfach nicht gemerkt hat, dass etwas nicht mit ihm gestimmt hat.

Trauer kann zur Isolation führen, da meist keiner weiß, wie er sich verhalten soll oder was man in diesem Moment sagen soll. Man fühlt sich verlegen oder schämt sich über die Art wie derjenige gestorben ist. Resultat ist oft, dass man sich deswegen nicht einmal mit jemandem über den Tod unterhalten kann. Oft genug entscheiden sich die Trauernden, dass es einfacher ist den Weg eine Zeit lang allein zu gehen anstatt sich jemandem anzuvertrauen. In der Zeit wenn wir eigentlich am meisten Hilfe brauchen, ist zumeist auch die schwerste Zeit danach zu Fragen.

Was man aktiv dagegen tun kann, wie man seine Gefühle in den Griff bekommen kann, dass kann man dann im zweiten Teil unseres Beitrags zum schweren Thema Suizid lesen.