Feuerbestattung und Einäscherung – seit 1924 auch in Hannover möglich

Neben der Aufbahrung in Leichenhallen und der Bestattung auf den neu angelegten Großfriedhöfen zeugt vor allem die Einäscherung im Krematorium vom sich seit dem 18. Jahrhundert durchsetzenden modernen Umgang mit den Toten – sie gilt als Meilenstein deutlicher Umwälzungen und Brüche in der Bestattungskultur.

Die Wiederentdeckung der Feuerbestattung im späten 19. Jahrhundert in Anlehnung an antike Vorbilder ist Teil der Entwicklungen seit der Aufklärung. Wie schon bei der Errichtung der Leichenhallen waren auch hier größtenteils hygienische Argumente für das Interesse an einer platzsparenden und „sauberen“ Bestattungsart ausschlaggebend. Nachdem sich die Skepsis gegenüber religiösen Glaubensvorstellungen bezüglich des Weiterlebens nach dem Tode ab dem 18. Jahrhundert von intellektuellen Kreisen auch auf das Bürgertum ausbreitete, entwickelte sich dort jene pragmatisch-rationale Einstellung zum Tod, die grundlegend für die Einführung der Feuerbestattung ist.

Das erste Krematorium in Hannover wurde von Konrad Wittmann entworfen und 1924 auf dem Stadtfriedhof Seelhorst fertig gestellt. Die Anlage war mehr als 70 Jahre in Betrieb, konnte allerdings den Ende der 1990er Jahre notwendigen Umweltstandards nicht mehr angepasst werden. Der dadurch notwendig werdende Neubau wurde auf dem Stadtfriedhof Hannover-Lahe durchgeführt, wo das Krematorium 1997 unter Trägerschaft des Feuerbestattungsvereins Hannover den Betrieb aufnahm.

Historisch gesehen organisierten sich die Befürworter in Feuerbestattungsvereinen, die nicht nur die öffentliche Meinung beeinflussten, sondern auch die Finanzierung der ersten Krematorien gewährleisten sollten. Ihre Anhänger hatten vielschichtige Gründe, die sie für die Feuerbestattung vortrugen: Ärzte und Hygieniker sahen gesundheitliche Vorteile in der Feuerbestattung; sie befürchteten die Verschmutzung von Luft und Wasser durch gefährliche, von Leichen ausgehenden Stoffen.