Neue Trauerbegleitung auf Friedhöfen: Der Trostboxen-Automat
Ein ungewöhnliches Projekt der katholischen Kirche in Berlin zeigt neue Wege der Trauerbegleitung auf Friedhöfen. Seit Januar steht auf dem katholischen Friedhof in Hohenschönhausen ein Automat, der sogenannte „Schatzkästchen“ mit tröstlichem Inhalt anbietet. Das Konzept verbindet niederschwellige Zugänglichkeit mit durchdachten Inhalten für trauernde Menschen.
Der „Kiosk der Kostbarkeiten“ enthält fünf verschiedene Boxen, die unterschiedliche Facetten der Trauer ansprechen. Die Inhalte wurden bewusst alltagstauglich gestaltet – keine Dekoration, sondern praktische Gegenstände für den täglichen Gebrauch. In der „Bauchgefühle“-Box finden sich beispielsweise Seed Balls zum Einpflanzen und ein Knautschball, der Wut und Verzweiflung Raum gibt. Die „Trostgold“-Box enthält speziell entwickelte Trauer- und Trostkarten, da das Angebot angemessener Karten oft mangelhaft ist. Die „Sternstunden“-Box widmet sich dankbaren Erinnerungen, während die „Lichtblick“-Box Hoffnung aus dunklen Momenten vermitteln soll. In der „Weggefährten“-Box findet sich unter anderem ein Engels-Anhänger mit integriertem Einkaufschip – ein alltäglicher Begleiter, der symbolisch für Unterstützung auf dem Trauerweg steht.
Das Projekt wurde von Carla Böhnstedt und Gregor Henke vom Erzbistum Berlin in Zusammenarbeit mit Trauerbegleitern entwickelt. Die Standortwahl fiel auf Hohenschönhausen, weil dort bereits das „Friedhofsplauschen“ existiert – ein wöchentliches Gesprächsangebot eines Sozialarbeiters. Diese Kombination war wichtig, um nicht den Eindruck zu erwecken, der Automat solle persönliche Gespräche ersetzen.
Die Resonanz übertraf die Erwartungen deutlich. Die Nachfrage nach den Boxen machte eine rasche Nachproduktion erforderlich. Rückmeldungen kamen nicht nur aus Berlin, sondern aus dem gesamten Bundesgebiet und sogar aus Großbritannien. Besonders bemerkenswert: Viele Nutzer haben keinen kirchlichen Hintergrund, fühlten sich aber von den Inhalten berührt. Das zeigt, wie ein zeitgemäßes Angebot zur Trauerbegleitung Menschen erreichen kann, die sonst keinen Zugang zu kirchlichen Angeboten hätten.
Die positive Irritation beginnt bereits beim Anblick des Automaten auf dem Friedhof. Diese unerwartete Begegnung schafft eine niederschwellige Möglichkeit, Unterstützung anzunehmen, ohne eine möglicherweise als unangenehm empfundene persönliche Situation entstehen zu lassen. Für zwei Euro, die als Spende an einen Hospiz-Verein gehen, können Friedhofsbesucher selbst entscheiden, ob und wann sie eine Box entnehmen möchten.
Die Initiatoren denken bereits über weitere Standorte nach – nicht nur auf Friedhöfen, sondern auch in Krankenhäusern oder anderen Kontexten. Die Grundidee ließe sich auf verschiedene Lebenssituationen übertragen. Das Projekt zeigt, wie moderne Trauerbegleitung auf Friedhöfen aussehen kann: zugänglich, unaufdringlich und an den realen Bedürfnissen trauernder Menschen orientiert.
Quelle: Erzbistum Berlin
Foto: Screenshot – bearbeitet / Original: Matthias Kindler / Erzbistum Berlin
