Warum Friedhofsgebühren in Hannover, Ronnenberg oder Gehrden steigen

Angesichts steigender Nutzung von Kremationen und den daraus resultierenden platzsparenden Urnenbeisetzungen sowie anonymen Bestattungen, sehen sich die Friedhöfe seit Anfang der 1990er-Jahre mit ganz und gar neuartigen Problemen konfrontiert: Die bestehenden kommunalen und städtischen Friedhöfe wurden vor hundert und mehr Jahren im Hinblick auf eine wachsende Bevölkerung bei vorwiegender Erdbestattung geplant. Jetzt entstehen durch die geringere Nachfrage bei Erdgräbern so genannte Überhangflächen, die zu einer wirtschaftlichen Belastung zu werden drohen. 

Dieser Trend wird durch den kontinuierlichen Anstieg der Lebenserwartung bei gleichzeitigem Rückgang der Bevölkerungszahlen sowie dem häufigen Verzicht auf die Verlängerung der Nutzungsdauer bei Wahlgräbern noch weiter verschärft. Auch die sich kontinuierlich erhöhende Nachfrage bei alternativen Bestattungsarten – insbesondere bei Ruheforst- oder Friedwaldbestattungen – unterstützt diese Entwicklung.

Die Überhangflächen entstehen dabei nicht als zusammenhängende, geschlossene Räume, sondern vielmehr als Summe nicht mehr genutzter Gräber inmitten von Grabfeldern, was sich an den immer größer werdenden Lücken zwischen den Gräbern erkennen lässt. Eine anderweitige Nutzung ist natürlich nahezu unmöglich. Da Friedhöfe aber auch in Hannover, oder im Umkreis wie etwa Ronnenberg, Empelde oder Gehrden, nach dem Kostendeckungsprinzip organisiert sind, müssen die aus dem sinkenden Flächenbedarf resultierenden fehlenden Einnahmen durch Erhöhungen der Grabnutzungsgebühren kompensiert werden.

Dadurch steigen die Friedhofsgebühren insbesondere bei Gräbern für Erdbestattungen, was wiederum eine steigende Nachfrage nach den günstigeren Urnengräbern zur Folge hat – damit ist eine Art wirtschaftlicher Teufelskreis entstanden. Häufig vergessen wird in diesen Berechnungen, dass Friedhöfe auch keineswegs eine Monopolstellung besitzen: immer mehr Angehörige weichen gerade bei den auf eine Feuerbestattung folgenden Urnenbeisetzungen auf günstigere Friedhöfe in den Nachbargemeinden oder auf Waldbestattungen aus.

Diese Entwicklung lässt sich etwa in der Gebührenpolitik der städtischen Friedhöfe in Ronnenberg erkennen: Während die Friedhofsgebühren bis zuletzt konstant niedrig waren, sanken gleichzeitig die Beisetzungszahlen. Seit April 2012 wurden die Gebühren der städtischen Friedhöfe an die veränderte Nachfrage angepasst, was aber eben auch eine Gebührenerhöhung zur Folge hatte.

Bei den städtischen Friedhöfen der Landeshauptstadt Hannover hingegen erfolgte in letzter Zeit keine Gebührenanpassung; aufgrund der sinkenden Beisetzungszahlen ist jedoch in naher Zukunft auch hier mit einer Gebührenerhöhung zu rechnen.