Historisch und ökonomisch vielschichtig – die Feuerbestattung als moderne Bestattungsform

Obwohl die Feuerbestattung unter ökonomischen Gesichtspunkten durchaus mehr wertschöpfende Schritte als eine Erdbestattung beinhaltet, lassen sich – begründet durch den geringeren Platzverbrauch einer Urne – bei den Friedhofsgebühren Kosteneinsparungen realisieren. Zudem ist die Wiederbelegung einer Grabstelle nach Ablauf der Ruhezeit problemlos möglich und die Beisetzung einer Urne lässt sich aufgrund des geringen Aushubvolumens der Grabstätte mit erheblich weniger Aufwand als eine Erdbestattung durchführen.

Das erste deutsche Krematorium wurde 1878 in Gotha fertig gestellt. Bedingt durch die ablehnende Haltung geistlicher und weltlicher Obrigkeiten – auch die nicht einheitliche Rechtslage der einzelnen Teilstaaten im Deutschen Reich erschwerte die flächendeckende Ausbreitung der Feuerbestattung – konnten die nächsten Krematorien erst 1891 in Heidelberg und 1892 in Hamburg gebaut werden. Hannover folgte, wie bereits erwähnt, erst 1924.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Feuerbestattung im Laufe von fünf Jahrzehnten zur vorrangigen Bestattungsart. Wurde die Sauberkeit der Feuerbestattung von ihren Befürwortern zunächst als stützendes Argument für ihre Einführung benutzt, geriet sie in den 1990er Jahren im Zuge der Ökologiedebatte unter einem anderen Vorzeichen ins Blickfeld: Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit haben die Schornsteine der Verbrennungsöfen lange Zeit erhebliche Mengen an Dioxinen und Furanen ausgestoßen. Nachdem 1997 die Emissionsschutzbestimmungen verschärft wurden – viele ältere Krematorien mussten den Betrieb einstellen, weil die notwendige Umrüstung zu kostspielig gewesen wäre – kam es zu zahlreichen Krematoriumsneubauten.

Schließlich wurde die Errichtung privater Feuerbestattungsanlagen durch Änderungen im Bestattungsrecht ermöglicht, das erste rein private Krematorium eröffnete 1997 in Landau. Während die Kommunen bei der Festsetzung der Einäscherungsgebühren dem Kostendeckungsprinzip unterliegen, können die Betreiber privater Krematorien ihre Preise frei kalkulieren und den kommunalen Anlagen auch aufgrund ihres erweiterten Dienstleistungsangebotes Marktanteile streitig machen.

Es kommt erkennbar Bewegung in das Feuerbestattungswesen – mit weiteren, teilweise in direkter Konkurrenz zu kommunalen Anlagen errichteten privaten Krematorien entsteht ein zunehmend differenzierter Markt. Selbst die Inanspruchnahme von ortsfernen, teilweise sogar im benachbarten Ausland liegenden Krematorien gerät in den Kreis der für die Angehörigen erkennbaren Alternative. Auch wenn im Umfeld des Sterbeortes Krematorien mit kürzeren Anfahrtswegen liegen, so sind finanzielle Hintergründe immer mehr von Bedeutung.