Gruft und Mausoleum in Hannover: Zeitgemäße Begräbnisorte?

Als ich das erste Mal auf dem Stadtfriedhof in Stöcken war, sind mir sofort die Mausoleen aufgefallen, die direkt hinter der Mauer parallel zur Straße stehen. Diese fallen sofort ins Auge und versprühen den Glanz vergangener Tage. Man muss dabei unterscheiden zwischen oberirdischen und unterirdischen Mausoleen– wobei nach heutigen Sicherheitsaspekten sich eher eine unterirdische Gruft anbietet.

Die Gruft muss man sich wie einen Keller vorstellen, die zumeist mit Abluftschlitzen versehen sind, da die Särge ja ohne weitere Präparation der Verstorbenen dort beigesetzt werden. Verschlossen werden diese Grüfte zumeist mit einer großen Steinplatte, bei der es unmöglich ist, diese ohne technisches Gerät wieder zu entfernen. Dennoch sieht man auch bei den Mausoleen auf dem Friedhof in Stöcken, dass mehrfach versucht wurde in diese einzubrechen.

Auf dem Stöckener Friedhof befinden sich zwar sehr schöne Grüfte, jedoch gibt es dort nur welche, die meiner Meinung nach nicht mehr so gut in Schuss sind. Sehr schöne und gepflegte Grüfte befinden sich auf dem Friedhof Engesohde, der die Speerspitze der Friedhofskultur in Hannover bildet.

Mausoleum

Der 1861 errichtete Stadtfriedhof bietet eine Vielzahl an Prachtgräbern sowie eine große Anzahl an Zierfiguren, die sich sehr schön in das Bild des Friedhofes einbringen, ein Besuch ist zu jeder Jahreszeit möglich und lohnenswert.

Warum ich auf diesen Friedhof zu sprechen komme, ist nicht nur wegen seiner Eleganz sondern auch wegen der oberirdischen Grüfte. Dabei bildet das Mausoleum der Familie Rühling in der Abteilung 10 einen Höhepunkt des Besuchs – durch das grüne Dach und die helle Fassade wirkt es fast wie ein Teil des Rathauses von Hannover.

Mausoleum 2

Die Frage, die sich natürlich stellt, ist, kann ich überhaupt, sollte ich über die nötigen Geldmittel verfügen, mir heutzutage auch so ein wunderbares Denkmal als Familiengrab errichten?

Die Antwort ist Ja – auch wenn allgemein gesagt wird, dass so etwas heute nicht mehr üblich ist, ist es aber nach der Aussage eines unserer Steinmetze grundsätzlich möglich. Finanziell gesehen sind etwa 200.000 Euro zu veranschlagen. Und natürlich ist so etwas aufwändig und man muss mit einer sehr langen Vorlaufzeit durch die nötigen Genehmigungen rechnen.

Fraglich ist auch, ob man aktuell noch genau in so einem Stil bauen würde, denn man benötigt heutzutage einen statischen Nachweis, würde dann eine Stahlkonstruktion anfertigen lassen und diese lediglich verkleiden. Die Laufzeit für solche Gräber liegt zumeist bei 40 bis 60 Jahren und dafür müssen dann dementsprechende Gebühren bezahlt werden. Weitere Kosten, die schon vorab veranschlagt werden können, sind die für die spätere Auflösung des Grabes notwendigen Kosten sowie auch für die Beisetzung der Überreste des / der Verstorbenen. th