Angehörige vor Gericht: Wer muss denn nun die Beerdigung bezahlen?

Die Neue Presse aus Hannover berichtete im November 2015 über eine Frau, die zwar eine Bestattung in Auftrag gegeben hatte, diese dann aber doch nicht bezahlen wollte und sich im Recht wähnte. Im Juli 2014 war ihre Schwester verstorben. Also gab Frau M. im Namen des Sohnes der Verstorbenen die Organisation bei einem Kollegen von uns in Auftrag. Doch nach der Beisetzung zahlte die Dame nur 75 Euro und der Rest der Rechnung blieb offen. Ihre Begründung nach der vorsichtigen Nachfrage des zuständigen Bestatters ob es sich dabei um ein Versehen handele begegnete sie mit einem: „Mehr wird da nicht kommen“, da sie meinte, nur in Vertretung des Neffen gehandelt zu haben.

Und so mussten sich die Gerichte mit diesem Fall auseinandersetzen. Die beklagte Schwester legte daraufhin eine schriftliche Vollmacht ihres Neffen vor, die besagte, dass sie sich für ihn um die Bestattung kümmern sollte. Das Gericht hielt dieses Schriftstück aber nicht für ausreichend im Sinne einer gängigen Ermächtigung.

Das Gericht entschied: „Die Beklagte ist Vertragspartei dieses Bestattungsvertrages geworden. Sie konnte den Beweis nicht führen, eine Vertretung ihres Neffen zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses gegenüber der Klägerin offengelegt zu haben“.

Oder einfacher gesagt: Die Schwester der Verstorbenen konnte nicht beweisen, dass dieses Schriftstück schon bei Vertragsabschluss beim Bestatter vorlag. Der Chef des Bestattungs-Unternehmens konnte dieses auch nur abstreiten, denn diese Vollmacht sei erst nachträglich abgegeben worden, da sie für behördliche Belange im Rahmen der Bestattung notwendig gewesen sei. Grund war sicherlich die Kremierung, da in diesem Dokument wahrscheinlich auch der Kremierungswunsch dargelegt wurde. Frau M. beharrte darauf, dass sie diese Vollmacht noch vor der Unterschrift auf dem Bestattungsvertrag abgegeben hätte. Dem Gericht konnten dafür aber keine Beweise vorgelegt werden und so entschied man zu Gunsten des Bestatter-Kollegen.

Bestattung in Hannover - wer bezahlt?Bei Geschäften wie einem Bestattungsvertrages kann man einer einfachen „Bauernregel“ folgen: Wer die Blumen bestellt, der muss sie bezahlen – wenn ich einen Auftrag vergebe und diesen mit meiner Unterschrift, meinem Namen und meiner Adresse verifiziere, dann muss ich diesen auch bezahlen. Warum dieser Fall genau vor dem Gericht gelandet ist, scheint uns fadenscheinig zu sein, da der Neffe, da er ja der Bestattungspflichtige ist, die Kosten bezahlen müsste. Er hätte das Geld ja auch überweisen können; und sofern er für diese Leistung über keine ausreichende Liquidität verfügt, wären die Kosten auch später eh wieder bei der Schwester gelandet.

So eine Gerichtsverhandlung bringt keinem etwas, Frau M. muss jetzt die Prozesskosten bezahlen, sowie die Bestattungsrechnung und vermutlich noch Verzugszinsen. In solchen Fällen bieten wir gerne eine Ratenzahlung an, man kann über alles reden – aber die Einbeziehung von Gerichten endet immer unschön.