Es gibt keine Branche in Deutschland, die so innovationsfeindlich ist, wie die Bestattungsbranche

Die bunte Bestattungsbranche in Deutschland

Wir wollen was ändern. Wir wollen Innovation und Mut für mehr. Wir probieren ganz behutsam, die Bestattungskultur auf das Niveau von 2018 zu bringen. Während ein Großteil der Bestattungen heute noch in Särgen stattfindet, die seit 50 Jahren unverändert hergestellt werden, bin ich der Meinung, dass die Generation Y nach neuen Gestaltungsmöglichkeiten in der Bestattungskultur verlangt.

Das Ziel: Den Diskurs über Tod und Sterben wieder dahin zurückzubringen, wo er eigentlich hingehört: In die Mitte der Gesellschaft. Weiterlesen

Historisches: Der Reformfriedhof

Die monumentale bürgerliche Grabmalkultur der Gründerzeit reichte noch ins 20. Jahrhundert hinein, allerdings mehrten sich fortan unter „ästhetisch und demokratisch denkenden Menschen“ die kritischen Stimmen: Man sah in den prunkvollen Grabstellen einen nunmehr als aufgeblasen und neureich empfundenen bürgerlichen Bestattungspomp, der unüberbrückbare Grenzen zwischen Arm und Reich zog. Denn im Vergleich zu den privilegiert an den Hauptachsen der Friedhöfen gelegenen pompösen großbürgerlichen Grabstätten fehlten bei den Gräbern der Armen sowohl Grabzeichen als auch Grabpflege.

Durch das erstmals auf dem 1907 neu angelegten Waldfriedhof in München verwirklichte Konzept des Reformfriedhofes sollten die sozialen Unterschiede auf dem Friedhof nivelliert werden. Das Ziel, dass alle Menschen auf dem Friedhof gleich sein sollten, setzten die Friedhofsreformer mittels strenger Friedhofsordnungen durch, die neben der Größe der Grabmale auch deren Material und Bearbeitungsarten vorschrieben. Weiterlesen

Die Bestattung im Mittelalter

Vor der ersten Welle der Friedhofsverlegungen im Verlauf des 16. Jahrhunderts wurden Verstorbene im Umkreis der Kirche auf dem Kirchhof oder vereinzelt auch in einer privilegierten Grabstätte direkt in der Kirche bestattet, wobei das Bestattungswesen fest in kirchlicher Hand war (vgl. Sörries 2009a: 47). Das Dasein der Verstorbenen endete nach mittelalterlichem Verständnis keinesfalls mit dem Tod: Man glaubte vielmehr an eine Weiterexistenz der Toten (vgl. Nölle 2003: 76; Sörries 2009a: 73 f.) und „ging von einer gegenseitigen Einflussnahme aus“ (Assig 2007: 43). Weiterlesen