Abschied nehmen: Die offene Aufbahrung am Sarg

Wenn der Todesfall eintritt, sind wir fassungslos und verzweifelt – man will es einfach nicht wahr haben, dass der geliebte Mensch jetzt nicht mehr da ist. Und dann findet man sich beim Bestatter wieder und entsinnt sich, dass man doch lieber einmal über die Wünsche des Verstorbenen hätte reden sollen, oder eine Vorsorge abschließen, um genauestens festzulegen wie die Wünsche der Angehörigen sind. Die Gelegenheit, sich gemeinsam mit dem unvermeidlichen, dem Tod, auseinander zu setzen, lässt sich eben nicht beliebig hinausschieben.

Der Wunsch eines jeden Menschen ist es, im Alter nicht allein zu sein, sondern Familie und Freunde an der Seite zu haben, mit denen man sein Leben noch einmal aufarbeiten kann und sein gesammeltes Wissen weiter geben. Doch ist nichts mehr wie es einmal war, die familiären Strukturen haben sich grundlegend gewandelt. Früher lebte noch die ganze Familie in einem Haus zusammen, da war im Todesfall die Aufbahrung und Totenwache einfach ein Muss, selbst das Waschen und Einkleiden wurde Zuhause durchgeführt. Aber heutzutage stehen dagegen viele Faktoren: Bestattungsgesetz, Hygiene- und Friedhofsverordnung bestimmen unser Handeln, dadurch hat sich unser Umgang mit dem Tod grundsätzlich gewandelt und es gibt mehr Berührungsängste mit diesem Thema. Alles Dinge, die unseren Trauerprozess behindern.

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Hausaufbahrung und Abschiednahme – von Ronnenberg bis Hannover

Bis ins 19. Jahrhundert – im ländlichen Raum noch länger – wurden Verstorbene für den Zeitraum zwischen dem Tod und der Beisetzung zuhause aufgebahrt. Seit dem späten 18. Jahrhundert gab es jedoch aufgrund des fortschreitenden Wachstums der Städte eine Welle von Friedhofsverlegungen; darüber hinaus versuchte der Staat, stärkeren Einfluss auf das sich bis zu diesem Zeitpunkt unter kirchlicher Kontrolle befindlichen Bestattungswesen zu nehmen. So entstanden unter kommunaler Trägerschaft weit außerhalb der Städte repräsentative Friedhöfe mit Friedhofskapellen, Verstorbenenhallen und Verwaltungsgebäuden verbunden mit zunehmender gartenkünstlerischer Gestaltung als Kulisse.

Aus hygienischen Gründen wurden auf den Friedhöfen Verstorbenenhallen (Leichenhallen) errichtet und so die als hygienisch bedenklich betrachtete Hausaufbahrung abgelöst. Der Abschied von den Verstorbenen wurde somit auf die Trauerfeier reduziert, und die Leichenhallen wurden zum architektonischen Ausdruck einer technisch-hygienischen Denkweise sowie einer zunehmenden behördlichen Kontrolle und Bürokratisierung im Umgang mit den Toten. Weiterlesen